Lebenslanges Lernen: Die Lust am Lernen

Noch vor 50 Jahren galten Sprüche wie „Wir lernen fürs Leben und nicht für die Schule“ und „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“. Lernzeit wurde als Leidenszeit begriffen, und der Zyklus des Lernens sollte so früh wie möglich abgeschlossen sein. Danach folgte das Leben – ein Leben in der Gewissheit, ausgelernt zu haben. Wie langweilig!

Heute weiß man, dass diese Vorstellung überholt ist. Innerhalb der letzten 50 Jahre hat sich die Welt viele Male gedreht, nichts ist so wie es war. Die EDV und der Computer, die Telekommunikation und Netzwerke haben unser Leben und Arbeiten durchgreifend verändert. Gesellschaftliche Veränderungen, andere Einstellungen und vieles mehr haben dafür gesorgt, dass wir nicht mehr leben wie vor 50 Jahren.

Und die Einstellung zum Lernen? Die Mehrheit der Menschen hat sich lebenslanges Lernen schon längst auf die Fahnen geschrieben. Sie hat Lust an Veränderungen und Lust auf Weiterbildung. Sonst hätte sich die Digitalisierung unseres Alltags nie durchsetzen können. Sonst hätte die dritte industrielle Revolution nie stattfinden können.

Wenn man alle Teilnehmer an beruflichen und privaten Weiterbildungen zusammenrechnet, kommt man auf erstaunliche Zahlen. Volkshochschulen, private Bildungsträger, Fernlehrinstitute und Einrichtungen der betrieblichen Weiterbildung müssen sich nicht über mangelnden Zulauf beklagen.

Die Lust am Lernen ist ungebrochen: Studierende über 50 sind keine Seltenheit mehr, selbst Senioren besuchen Volkshochschulkurse und absolvieren Fernlehrgänge. Die Quote der Computer- und Internetnutzer über 60 steigt am stärksten.

Was hat sich verändert?

Früher waren sowohl in der Erstausbildung als auch in der Weiterbildung Voraussetzungen, die Ausgangslage und das Lernziel weitgehend bekannt. Was man lernte, da war man sicher, konnte man auch umgehend praktisch anwenden. Und das in vielen Bereichen. Die Ergebnisse der Ausbildung oder Weiterbildung waren für viele Jahre garantiert nutzbar.

Heute sind Ausgangslage und Lernziel weniger transparent. Das heißt: Die Bildungsziele sind unklarer geworden, weil die Anforderungen der Zukunft nicht offen liegen. Es gibt viele Optionen für das, was in der Zukunft möglicherweise gewusst werden muss. Denn das Weltwissen verändert sich innerhalb kurzer Zeit vielfach. Wenn früher Weiterlernen das Ziel war, so ist es heute Umlernen, neu lernen und verlernen. Besonders auf dem Verlernen liegt ein wichtiger Akzent. Denn unser Hirn kann nur begrenzt Informationen aufnehmen und verarbeiten. Wichtig ist deshalb der Prozess, einmal gelernte Verfahren und Wissensbestände zugunsten neuer von der persönlichen Festplatte zu löschen.

Die Verantwortung für Weiterbildung und Lernziele lag früher eindeutig bei staatlichen Organisationen und Bildungsträgern sowie in der Wirtschaft. Diese Zuordnung stimmt nicht mehr. Weniger Staat und individuelle Verantwortung ist die Devise, der Lernende übernimmt das Zepter. Das bedeutet: Was wir lernen und wie wir lernen ist unsere Sache. Selbst organisiertes Lernen ist die Anforderung unserer Zeit.

Was bringt uns lebenslanges Lernen?

Spontane Antwort des Muffels: Mangel an Lebensqualität. Spontane Antwort des Neugierigen: Mehr Chancen, mehr Lebensqualität. Wie immer hat der Neugierige Recht. Lernen heißt heute: Chancen erarbeiten. Chancen für den beruflichen Aufstieg. Im Gegensatz zu früher liegt der Fokus des Lernens nicht mehr allein auf dem Fachwissen – das verändert sich zu schnell. Viel wichtiger wird Methodenwissen. Wie verfahre ich in dieser oder jener Situation, wie kann ich mir aktuelles Fachwissen erarbeiten. Dazu kommt Reflexionswissen: hinterfragen, begründen, Folgen abschätzen. Und sicher nicht zuletzt das Persönlichkeitswissen: Sie wissen, wo Ihre Stärken und Schwächen liegen, können Ihre Persönlichkeit steuern, erkennen und bewerten sich richtig in der Zusammenarbeit mit anderen.

Lebenslanges Lernen ist mittlerweile zur generellen gesellschaftlichen Anforderung geworden. Lernen sichert uns den Anschluss an die reale Gegenwart und den Vorsprung für die Zukunft.

Sind Erwachsene noch in der Lage zu lernen?

Früher glaubte man, dass Menschen mit zunehmendem Alter immer weniger fähig sind zu lernen. Neuere Hirnforschungen belegen, dass das nicht stimmt. Ältere Menschen lernen nur anders als Kinder. Sie verfügen bereits über umfangreiches Wissen. Sie lernen besonders gut Neues, wenn sie irgendwo an ihrem Wissen und bei ihren Erfahrungen einen Anknüpfpunkt finden.

Geschwindigkeit, Hören und Sehen nehmen mit zunehmendem Alter ab, Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und geistige Beweglichkeit jedoch nicht. Der große Vorteil von erwachsenen Lernenden besteht darin, dass sie viel stärker Zusammenhänge erfassen, selbstständig arbeiten und Urteile bilden. Erwachsene sind auch im Vorteil, weil sie mehr Erfahrungen im Umgang mit Menschen und Konflikten haben.

Erwachsene sind also im besten Lernalter!

Fernunterricht

Wer als Erwachsener etwas Neues lernen will oder sich weiterbildet, ist auf Lernbedingungen angewiesen, die seiner persönlichen Situation entgegenkommen. Gute Voraussetzungen bietet daher der Fernunterricht, in dem der Lernprozess rein über vorbereitete Medien gesteuert und der Lernerfolg schriftlich überprüft wird. Fernlehrgänge gehören schon lange zu den beliebtesten Bildungswegen. Um dieser Beliebtheit Rechnung zu tragen, hat der Staat einen speziellen Schutz entwickelt:

Über das Fernunterrichtsschutzgesetz ist klar geregelt, dass Fernlehrgänge geprüft und staatlich zugelassen werden müssen. Das Gesetz soll Lernwillige davor schützen, für unwirksame Lernangebote Geld auszugeben. Die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht in Köln vergibt das Prüfsiegel für anerkannte Fernlehrgänge.