Weiterbildung Elektroindustrie – das Erbe von Siemens und Hertz gedeiht prächtig

Nicht einmal 200 Jahre ist es her, dass die ersten bahnbrechenden Entdeckungen auf dem Gebiet der Elektrotechnik gemacht wurden. Kaum mehr als 100 Jahre alt sind die ersten elektronischen Massenprodukte: Generatoren, Glühlampen, Telefone, Radio und Verstärker. Vor nicht einmal 50 Jahren traten die ersten Computer, Roboter und Elektretmikrofone in das Wirtschaftsleben.

Heute gibt es im Alltag fast nichts, was nicht elektrisch und elektronisch funktioniert. Die Elektroindustrie hat einen rasanten Aufschwung hinter sich und trotz Globalisierung auch in Deutschland eine fantastische Zukunft vor sich.

Der Weltmarkt regiert

Wie viele große Industriezweige ist auch die Elektroindustrie mittlerweile ohne globalisierte Strukturen nicht mehr vorstellbar. Für die Produktion in Deutschland werden Teile aus aller Herren Länder zugeliefert. Und Produkte aus Deutschland finden weltweit Absatz.

Der Weltmarkt erreichte im Jahr 2005 ohne produktbegleitende Dienstleistungen (Software und Services) einen Wert von mehr als 2.130 Mrd. Euro. Damit ist er der größte Produktmarkt weit vor dem Maschinenbau, der Automobilindustrie und der Chemischen Industrie. Auch für die kommenden Jahre ist mit einem weiterhin kräftigen Wachstum zu rechnen, das über dem Durchschnitt der übrigen Branchen liegen wird.

Der wichtigste Markt ist nach wie vor USA mit einem Anteil von fast 23 Prozent. Doch die aufstrebenden Volkswirtschaften der südostasiatischen Schwellenländer zusammen mit dem „reifen“ Markt Japan sind mit fast 43 Prozent Anteil zur größten Absatzregion geworden. Innerhalb Asiens bilden heute China mit 15 Prozent und Japan mit 14 Prozent die größten Ländermärkte. Auf die EU der 25 Länder entfällt in diesem typischen „Triademarkt“ (Asien, Amerika, Europa) ein Anteil von fast 20 Prozent. Darin ist Deutschlands als größter europäischer Einzelmarkt mit 5% enthalten. Andere Regionen wie Afrika, Australien/Ozeanien, Amerika ohne USA und Europa ohne EU-25 spielen nur eine geringe Rolle. Die zehn größten regionalen Einzelmärkte vereinen etwa drei Viertel des Weltmarktes auf sich, die übrigen fast 200 Länder nur ein Viertel.

Treiber Informations- und Kommunikationstechnik

Die Entwicklung des Welt-Elektromarktes in den vergangenen zehn Jahren war stark durch die rasante Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) bis zum Jahr 2000 und das Platzen der sogenannten „IKT-Blase“ in den Folgejahren geprägt. Zwischen 1995 und 2000 nahm das Weltmarktvolumen um 75% auf 2.467 Mrd. Euro zu. Danach brach der Markt bis zum Jahr 2003 um 20% ein und konnte 2005 wieder auf 2.132 Mrd. Euro ansteigen. Jahresdurchschnittlich betrug das Wachstum des Welt-Elektromarktes seit 1995 4,5 Prozent.

Die größte Dynamik für die weltweite Entwicklung der Elektroindustrie ist in den letzten Jahren vor allem von China ausgegangen. Betrug der chinesische Anteil am Weltmarkt 1995 nur weniger als drei Prozent, so erhöhte er sich bis zum Jahr 2005 auf 15 Prozent, an der Produktion sogar von vier Prozent auf mehr als 22 Prozent. Damit ist China zum weltgrößten Produzenten und Exporteur von elektrotechnischen und elektronischen Erzeugnissen aufgestiegen. Der Anteil an den weltweiten Exporten betrug 20%. USA mit 9%, Deutschland mit 7,5% und Japan mit 7% liegen weit dahinter.
(Quelle: Zentralverband der dt. Elektroindustrie ZVEI, 2007)
Die jeweils aktuellen Zahlen finden Sie hier: www.zvei.de

Elektroindustrie in Deutschland

Die Unternehmen der deutschen Elektroindustrie sind breit aufgestellt. Sie stellen mehr als 100.000 verschiedene Produkte und Systeme her. Von kleinsten elektronischen Bauteilen bis zur schlüsselfertigen Fabrikanlage, vom massenhaft hergestellten Haushalts- bis zum elektromedizinischen Spezialgerät. Ein besonderes Kennzeichen der Branche ist ihre technische Innovationsfähigkeit.

Als Beleg dafür gelten die Investitionen: Die Bruttoanlageinvestitionen sind nach 21 Prozent im Jahr 2006 auch im Folgejahr um über sechs Prozent auf 7,2 Mrd. Euro gestiegen und wachsen weiter. Auch für Forschung und Entwicklung wurde 2007 fünf Prozent mehr Geld ausgegeben. Die Zukunftsaufwendungen betragen pro Mitarbeiter der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie und Jahr mittlerweile 20.000 Euro.

Mit gut 800.000 Beschäftigten stellt die Branche knapp 14 Prozent aller Arbeitsplätze in der deutschen Industrie. Im Jahr 2006 sind die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr kräftig um 7,5% auf 177 Milliarden Euro gestiegen. 2007 waren es 6%. Dabei entwickeln sich nicht alle Bereiche
gleich: Während Automatisierungs-, Energie- und Medizintechnik ungebrochen wachsen, sorgt der Preisverfall bei Informations- und Kommunikationstechnik für deutliche Umsatzrückgänge. Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft ist die Elektroindustrie aber ein Wirtschaftszweig mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten.

Ein weites Spannungsfeld

Die Elektroindustrie umfasst ein riesiges Spektrum an Arbeits- und Produktionsbereichen:

  • Informations- und Kommunikationstechnik
  • Energie- und Installationstechnik
  • Bauelemente/Bauteile
  • Mess- und Regelungstechnik
  • Automatisierungstechnik
  • Nachrichtentechnik
  • Antriebstechnik
  • Kfz-Elektrik/Elektronik
  • Consumer Electronics
  • Hausgeräte
  • Medizinische Technik
  • Leuchten/Lampen

Die Liste der Produkte ist lang. Und es kommen immer wieder neue dazu. Da der Elektrotechnik- bzw. Elektronikanteil in vielen branchenfremden Produkten noch steigen wird, nimmt der Weltmarkt-Anteil der Elektroindustrie stärker zu als der anderer Branchen. So zeichnen überdurchschnittliche Wachstumsraten auch in Zukunft die Elektrobranche aus.

Weiterbildung

Für die Unternehmen der Elektroindustrie wird angesichts rasanter Veränderungen in Wirtschaft und Technologie und des Fachkräftemangels die Weiterqualifizierung ihrer Mitarbeiter immer wichtiger. Allein im Jahr 2005 gaben die Betriebe der Elektroindustrie im Durchschnitt 1.100 Euro pro Mitarbeiter für Weiterbildung aus. Das sind notwendige und wichtige Investitionen, denn in der Elektroindustrie ist die Innovationsgeschwindigkeit besonders hoch: Fast 70 Prozent ihres Umsatzes macht sie mit Produkten, die in den letzten fünf Jahren neu eingeführt oder grundlegend verbessert wurden.