Elektroberufe > Elektroindustrie: Diese Berufe elektrisieren stets neu!

Ende der neunziger Jahre schien eine Neuordnung der Elektroberufe dringend geboten. Ausbildungsinhalte, Methoden und der Weg zum Ziel entsprachen nicht mehr dem elektrisierenden Tempo, mit dem die Industrie sich neue Zukunftsperspektiven eroberte. Zu wenig Praxisorientierung, zu viel Gewicht auf der allumfassenden Abschlussprüfung und zu wenig internationaler Bezug wurden an der Ausbildung bemängelt. Der neue Wurf ist gelungen, die Ausbildung in Elektroberufen ist nun gekennzeichnet durch

  • bessere Orientierung an Geschäftsabläufen;
  • neue Struktur der Prüfung („gestreckte Prüfung“), das heißt eine fachpraktische Prüfung etwa zur Halbzeit der Ausbildung und eine geschäftspraktische Abschlussprüfung;
  • Fremdspracheneinsatz (Englisch gilt in vielen Betriebsbereichen als Geschäftssprache).

Zu den Merkmalen der neuen Elektroberufe gehören ihre Prozessorientierung, Arbeiten bei ständiger Qualitätskontrolle, eigenverantwortliche Steuerung von Produktionsterminen, Arbeits- oder Urlaubszeiten im Team und wachsende IT- wie auch betriebswirtschaftliche Kompetenzen.

Zu den Ausbildungsinhalten in der Industrie gehören Kenntnisse in speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS), im Umgang mit elektronischen Baugruppen, im Handhaben von Hard- und Software sowie in der Mikroprozessortechnik. Auch Selbstständigkeit im Planen, Durchführen und Kontrollieren sind wichtige Ausbildungsziele. Die Ausbildung ist anspruchsvoll, deshalb dauert sie in allen Berufen einheitlich dreieinhalb Jahre.

Entsprechend neu ausgerichtet sind auch die offiziellen Prüfungen nach Weiterbildung zum Techniker oder Meister.

Die sechs starken Zünder

Die klassische Ausbildung in der Elektroindustrie gilt dem Ziel Elektroniker. Sechs Fachspezies haben sich unter diesem Dach gebildet, die in den Betrieben benötigt werden:

Elektroniker/in für Automatisierungstechnik
Wenn es um die Elektrik oder Elektronik bei Produktions- und Fertigungsautomaten, Verfahrensanlagen oder Verkehrsleitsystemen geht, sind diese Elektroniker gefragt. Aufgabe ist nicht nur, einzelne Bauteile oder ganze Automatisierungssysteme zu installieren und einzurichten. Überwachen, warten und reparieren kommen dazu. Dafür werden Anwendungsprogramme genutzt, mit denen Elektroniker Messdaten erfassen und übertragen, aber auch Fertigungsanlagen oder automatisierte Maschinen steuern und optimieren.

Elektroniker/in für Betriebstechnik
Elektroniker für Betriebstechnik werden gebraucht bei Systemen oder Anlagen der Energieversorgung, der Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, der Kommunikations- und Meldetechnik sowie der Antriebs- und Beleuchtungstechnik. Sie montieren Anlagen, nehmen sie in Betrieb, halten sie instand und sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Schaltgeräte und Automatisierungsgeräte zusammenbauen, Systeme programmieren und die Funktionen prüfen gehört dazu.

Elektroniker/in für Gebäude- und Infrastruktursysteme
Technische und organisatorische Dienstleistungen in Wohn- und Geschäftshäusern, in Krankenhäusern oder Industrieanlagen sind die Spezialität der Elektroniker für Gebäude- und Infrastruktursysteme. Sie planen und organisieren, sie konfigurieren Systeme und weisen in die Nutzung ein. Zum Beispiel bei Alarm- oder Klimaanlagen und Überwachungssystemen jeder Art.

Elektroniker/in für Geräte und Systeme
Automatisierte Produktionsanlagen stecken voller elektrischer und elektronischer Bauteile und Steuerelemente. Versagt auch nur eins davon, kann es zum Produktionsausfall kommen – und das kostet Unternehmen viel Geld. Entsprechend wichtig ist die Arbeit der Elektroniker für Geräte und Systeme. Sie bauen nicht nur Muster und Unikate, sie spüren bei Störungen auch die Fehlerursache auf. Damit es aber erst gar nicht soweit kommt, warten Elektroniker für Geräte und Systeme regelmäßig die komplexen Anlagen. Mit ihrem Fachwissen wirken sie auch bei der Analyse und Optimierung von Fertigungsprozessen mit. Beschaffung von Bauteilen, Hilfsstoffen oder Betriebsmitteln gehört ebenso zu ihrer Arbeit.

Elektroniker/in für luftfahrttechnische Systeme
Dass Flugzeuge sicher starten und landen, ist nicht nur ein Verdienst der Piloten. Denn die Elektroniker für luftfahrttechnische Systeme sorgen dafür, dass alle Steuer-, Signal- und Datenleitungen richtig verlegt und elektrische und elektronische Baugruppen funktionsfähig eingebaut sind. Sie warten alle Anlagen und Geräte der Luftfahrttechnik, spüren dabei Fehlfunktionen auf und beheben diese. Die Einsatzgebiete sind vielfältig: Herstellung oder Instandhaltung von Luftfahrzeugen bei Flugzeugherstellern, Ausrüstern, Fluggesellschaften und der Bundeswehr. Der Arbeitsbereich ist die gesamte Fluggerätelektronik und reicht vom einmotorigen Flugzeug über Hubschrauber, Linienmaschinen, Großraumtransporter bis zum Militärjet.

Elektroniker/in für Maschinen und Antriebstechnik
Motoren, Generatoren oder Transformatoren – Elektroniker für Maschinen und Antriebstechnik kennen elektrische Maschinen zur Stromerzeugung oder -umwandlung bis ins Detail. Denn sie stellen diese komplexen Maschinen her. Sie fertigen Bauteile, zum Beispiel Wicklungen und Spulen, montieren und prüfen komplette elektrische Maschinen, nehmen sie in Betrieb und warten sie. Dabei geht es ganz direkt spannend zu, denn manche Maschinen produzieren bis zu mehreren tausend Volt.

Der Elektroniker steht nicht allein

Neben dem Elektroniker finden natürlich noch viele andere Berufe ihren Platz in der Elektroindustrie. Dazu gehören:

  • Elektroanlagenmonteur/in
  • Fachkraft für Lagerwirtschaft
  • Fahrzeugpolsterer/in
  • Feinoptiker/in
  • Fertigungsmechaniker/in
  • Fluggerätmechaniker/in
  • Lackierer/in
  • Mechatroniker/in
  • Modellbaumechaniker/in
  • Oberflächenbeschichter/in
  • Technische/r Zeichner/in
  • Werkstoffprüfer/in

Als Ausbildungsberufe werden sie nur in begrenztem Umfang oder nur in bestimmten Regionen Deutschlands angeboten. Was aber in der Elektroindustrie endgültig einen festen Platz erobert hat, sind die IT-Berufe. Deshalb werden neben Elektronikern verstärkt ausgebildet und beschäftigt:

  • Systeminformatiker/in
  • IT-Systemelektroniker/in
  • Fachinformatiker/in
    • Fachrichtung Systemintegration
    • Fachrichtung Anwendungsentwicklung
  • IT-Systemkaufmann/frau
  • Informatikkaufmann/frau

 

Technik

Industriemeister Metall, Meister Elektrotechnik, Maschinenbautechniker, Mechatronik-Techniker, Telekommunikationstechniker oder Netzwerktechniker LAN sind Berufe mit Zukunft. Weiterbildung für Facharbeiter und Berufseinsteiger lohnt sich.