Kommunikationstechnik: Kommunikation neu erfunden

Genauso rasant wie die Informationstechnik hat sich auch die Kommunikationstechnik entwickelt. Wer erinnert sich nicht an die Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts, als in amerikanischen Serien wie Miami Vice reiche und attraktive Männer mit klobigen, schwergewichtigen Mobiltelefonen uns die Neuzeit der Telefonie zeigten. Noch Anfang der Neunziger Jahre war es überwiegend beruflichen Nutzern vorbehalten, mobil zu telefonieren.

Daten-Uploads und Downloads im Internet stellten eine Geduldsprobe dar: Im Kb-Tempo ging es gemächlich zu.

Seitdem hat sich die Welt wieder dreimal gedreht. Die Breitbandverkabelung schreitet voran, Geräte und Zugangstechniken verändern sich laufend. Konvergenz ist die Forderung der Zukunft. Zurzeit sind allerdings noch viele Dienste an bestimmte Technologien gebunden. Deshalb wird sich der Wettbewerb verschärfen.

Was wird aus dem guten alten Kabel?

Kabel ist Zukunft. Mehrfach totgesagt, wird sogar das klassische Telefonkabel in dünn besiedelten Gegenden überleben. Auch das Koaxial- oder Breitbandkabel, das bereits 70% der Haushalte und Unternehmen erschließt, bleibt uns noch lange erhalten. Denn die Kosten für eine noch leistungsfähigere kabelgebundene Infrastruktur auf Glasfaser-Basis sind enorm. Es steht in Frage, ob Glasfaserkabelnetze überhaupt flächendeckend ausgebaut werden. Trotzdem werden sich in Ballungsgebieten Fiber To The Home-Lösungen (FTTH), also Glasfasernetze durchsetzen. Denn sie bieten sehr hohe Flexibilität in Bezug auf bandbreitenintensive Dienste.

Auf der Ebene der Übertragung entwickelt sich die xDSL-Technologie in der Bandbreite. Da die Zugangsvoraussetzungen unterschiedlich bleiben, wird es zur großen Herausforderung für die Anbieter, auf den Kunden zugeschnittene Bandbreiten zu vertreiben und abzurechnen. Längerfristig ist mit steigender Bedeutung des Kabelanschlusses zu rechnen. Natürliche Vorteile gegenüber xDSL geben dafür den Ausschlag: Aufgrund des Bandbreitenvorteils bietet er neben Internet auch TV und Radio in hervorragender Qualität.

Kabellos in die Zukunft

In den Funknetzen wird es verbesserte Standards geben. In der Probe sind die ersten stationären Netzwerke (fixed WWAN) mit der WiMAX-Technologie. Schon bekannter sind nomadische Netzwerke (WLAN). In Zukunft geht es darum, Übertragungsraten, Bandbreiten und Reichweiten zu verbessern. Zur immer wichtigeren Frage wird die Datensicherheit. Zudem werden Lösungen über kurze Distanzen entwickelt, um alle Arten von stationären und mobilen Multimedia-Geräten über eine gemeinsame und günstige Schnittstelle kommunizieren zu lassen. Überschneidungsfreier Betrieb mit anderen
Geräten oder Wohneinheiten ist dabei die Anforderung.

Das Internet als Vorreiter neuer Verbindungsnetze

Nahezu alle Netzbetreiber und die Hersteller von Telekommunikationssystemen wollen ihre Kommunikationsplattformen, bei denen Sprache und Daten bisher getrennt waren, ganz oder teilweise zusammenführen. Die zukünftigen IP-basierenden Kommunikationsnetze sind zum Teil heute schon in der Lage, Sprachdienste auf IP-Basis bis zum Kunden zu bringen. Damit wird über alle Netzgrenzen hinweg ausschließlich über das IP-Protokoll kommuniziert. Netzkopplungen und Anschlüsse werden dann durchgängig auf IP-Basis über Voice-over- IP (VoIP) realisiert. VoIP wird die ISDN-Welt mittelfristig verändern und langfristig komplett ersetzen.

In den heutigen ISDN-Netzen wird eine Leitung vom anrufenden bis hin zum angerufenen Teilnehmer komplett durchgeschaltet. Das Gespräch wird digitalisiert und in Echtzeit mit sehr hoher Qualität übertragen. Die IP-Welt zeichnet sich hingegen dadurch aus, dass Kommunikation digitalisiert und im Paket übertragen wird. Die Teilnehmer hängen an einer gemeinsamen Leitung, über die Sprache und Daten gleichzeitig in einem Datenstrom übermittelt werden. Die Sprachpakete werden in den Datenstrom eingefügt und durch Netze und über Netzübergänge hinweg zum Empfänger geleitet. Sprachpakete sollten möglichst mit einer höheren Priorität versehen und behandelt werden als Datenpakete. Damit wird verhindert, dass zum Beispiel bei hohem Datenaufkommen andere Datenpakete den Weg verstopfen und die Sprachqualität beeinträchtigen.

Der grundsätzliche Unterschied ist, dass ein Telefonierer nicht leitungsgebunden ist, sondern sich durch seine IP-Adresse identifiziert. Er kann also unter der gleichen Adresse/Nummer heute in Berlin und morgen in Chicago erreicht werden.

Ziel ist die vollständige Konvergenz: Alle Informatioen, alle Dienste und Anwendungen werden zusammengeführt und in das IP-Netzwerk integriert. So verliert zum Beispiel auch ein Umzug den Abenteuercharakter: PC und Telefon werden einfach mitgenommen und an einer anderen Stelle am Netzwerk wieder angeschlossen. Aufwendige Leitungsverlegungen und Umschaltungen erübrigen sich.

 

Technik

Industriemeister Metall, Meister Elektrotechnik, Maschinenbautechniker, Mechatronik-Techniker, Telekommunikationstechniker oder Netzwerktechniker LAN sind Berufe mit Zukunft. Weiterbildung für Facharbeiter und Berufseinsteiger lohnt sich.