3. Illumination der kreativen Prozesse

Heureka – ich hab’s!

Der Überlieferung nach lief Archimedes nackt und Heureka-rufend durch die Straßen von Syrakus, nachdem er in der Badewanne das Archimedische Prinzip entdeckt hatte. Seitdem steht Heureka für den Moment der Entdeckung einer Lösung, für den Moment der Erleuchtung und für die Freude darüber.

Ob Sie die Erleuchtung in der Badewanne trifft, beim Autofahren oder am Schreibtisch (was seltener geschieht), lässt sich nicht voraussagen. Eins aber ist gewiss: Sie werden diesen Moment, der den Beginn der dritten Phase des kreativen Prozesses einläutet, deutlich spüren. Es ist Ihr persönliches Heureka, das plötzliche: Ich hab’s! Der Übergang von der Inkubation zur Illumination vollzieht sich meist abrupt. Es ist die scheinbar aus dem Nichts auftauchende Erkenntnis: So ist es richtig! So muss es sein!

Diese plötzliche Erkenntnis ist nicht einer von vielen ungerichteten Einfällen, die Sie in den vorangegangenen Phasen der Vorbereitung und Inkubation hatten. Es ist der Einfall, der Geistesblitz – die Initialzündung für Ihr „eigentliches“ Werk und er wird begleitet von einem Gefühl der Gewissheit. Alles fügt sich plötzlich wunderbar zusammen.

Doch soviel ist klar: Ihr persönliches Heureka ist nicht ohne die Phasen der Vorbereitung und Inkubation zu haben. Müßiges Warten auf die große Inspiration bringt Sie nicht weiter. Voraussetzung für Ihr Heureka ist, dass Sie aktiv darauf zuarbeiten – auch wenn zu dieser Arbeit ganz wesentlich das spielerische Herangehen und das entspannte Loslassen gehören. Wenn dieser lichte Moment kommt, müssen Sie ihn nutzen. Mit der Illumination beginnt eine Schaffensphase, die meist als sehr intensiv erlebt wird und die sehr produktiv sein kann. Viele Autoren beschreiben sie – wie Christa Wolf im Interview mit Herlinde Koelbl – als beglückendes, rauschhaftes Erlebnis:

„Ich mache sehr gerne Notizen, an denen ich später weiterarbeite. Das ist eigentlich der schönste Prozess, wenn man das Gefühl hat, jetzt öffnet sich der Stoff und die Perspektive, in die dieser Stoff hineingehört. Und man hat das Gefühl, er wächst jetzt organisch und man muss nichts Falsches mehr erfinden, sondern es erfindet sich von selbst. Das ist dann auch die Zeit, wo es gar nicht mehr aufhört, auch nicht nachts, wo Träume, die scheinbar nichts damit zu tun haben, in Wirklichkeit sich doch darauf beziehen. Man schreibt im Grunde, um solche fast rauschhaften Zustände zu erleben. Diese Euphorie, die da entsteht, das kann man durch fast nichts anderes erreichen.“ (1)

(1) Herlinde Koelbl: Im Schreiben zu Haus, Fotografien und Gespräche, Knesebeck 1998, Seite 243

 

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