2. Inkubation der kreativen Prozesse

Sichten, spielen – wirken lassen!

Nun haben Sie jede Menge Material. Aber was machen Sie damit? Noch sind es unverbundene Informationen, die keinerlei Gestalt angenommen haben. Und es ist die Frage, ob sie je Gestalt annehmen werden und wenn ja, welche? Nun beginnt eine neue Phase des kreativen Prozesses: die Inkubation.

Medizinisch gesehen ist dies die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit. Umgangssprachlich sagt man auch: Jemand brütet etwas aus. Auch wenn das Schreiben keine Krankheit ist, der Schriftsteller brütet in dieser Phase etwas aus.

Die Inkubationszeit wird oft als sehr unproduktiv empfunden, bisweilen sogar als quälend. Sie stehen vor einem Haufen unzusammenhängender Materialien und wissen nicht, wozu das alles gut sein soll. Verzweifeln Sie nicht, sondern gestehen Sie sich diese Ratlosigkeit zu. Arbeiten Sie spielerisch mit Ihrem Material, probieren Sie aus, was sich damit machen lässt. Und gehen Sie zwischendurch immer wieder auf Distanz. Das Unbewusste arbeitet weiter, auch wenn Sie schlafen, spazieren gehen, Geschirr spülen oder Auto fahren. Voraussetzung dafür, dass das Unbewusste seine Arbeit aufnehmen kann, ist allerdings, dass Sie sich auch bewusst mit der Materie auseinandersetzen. Vielleicht haben Sie in dieser Phase das Gefühl, dass Sie gerade kein Stück weiterkommen? Wenn Sie jedoch auf Ihre eigene kreative Kraft vertrauen, wird der Zeitpunkt kommen, an dem Ihnen plötzlich alles klar wird. Schauen wir noch einmal bei Peter Rühmkorf rein:

„Ja, da sitze ich dann vor einem riesigen Haufen von Quanten, Scherben, ungefassten Augenblicken, Fragmenten und Fetzchen, etwa wie ein Archäologe, dem sich ein neues Trümmerfeld aufgetan hat und der nun alles zu Vasen und Krügen und Plastiken zusammenfügen soll. Und da setzt die zweite Phase des Schaffensprozess ein, die eigentliche Arbeit, die richtige Arbeits-Arbeit. . Da geht das Probieren los: Wie passen die Scherben zusammen? Wo ergeben sich vielleicht Verbindungen vom einen Stück zum anderen, was gehört in ein Gedicht, was entwickelt sich vielleicht zum Märchen? (1)

(1) Herlinde Koelbl: Im Schreiben zu Haus, Fotografien und Gespräche, Knesebeck 1998, Seite 181

 

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