Nackt im Netz

Die Fernüberwachung unserer Gesundheit mag uns wünschenswert erscheinen, die lückenlose Kontrolle über unsere Fortbewegungen und Handlungen ist es nicht. Schon heute ist der Mensch per Handy und Navi jederzeit zu orten – auch wenn er gerade nicht online ist. Bewegt er sich googelnd im Internet, weiß die mächtige Suchmaschine, womit er sich beschäftigt, welche Interessen er hat und was er möglicherweise zu kaufen beabsichtigt.

Immer wieder erschüttern Datensammel- und Datenmißbrauchskandale die digitale und die reale Welt: Hacker stehlen Daten von 77 Millionen Sony-Playstation-Nutzern. Apple speichert Daten von iPhone-Nutzern, mit deren Hilfe Bewegungsprofile erstellt werden können. Google Street View spioniert in den Vorgärten unserer Häuser.

Die Möglichkeiten der Kontrolle, die die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien bieten, wecken auch die Begehrlichkeiten des Staates. Wo sind die Grenzen zwischen berechtigter Verbrechensbekämpfung, Prävention und Bespitzelung? Hier ist der Gesetzgeber gefordert, Klarheit zu schaffen. Was sollen und dürfen andere über uns wissen? Und zu welchem Zweck? Was darf mit unseren Daten geschehen?

Auf der einen Seite wird der berechtigte Ruf nach mehr und besserem Datenschutz laut. Auf der anderen Seite wird der Umgang mit den eigenen persönlichen Daten immer laxer. Millionen von Menschen tummeln sich privat oder beruflich in den sozialen Netzwerken von StudiVZ, You Tube, Facebook und Xing. Sie geben dort frei- und bereitwillig Auskunft über ihr Berufs- und Privatleben, über ihre Interessen und Vorlieben. Millionen von Menschen shoppen und tätigen ihre Bankgeschäfte online. Dies alles stellt die Gesellschaft nicht nur aus datenschutzrechtlichen Aspekten vor neue Herausforderungen. Auch die technischen Anforderungen an die Sicherheit von Netzen können gar nicht hoch genug sein.

In dem Bericht des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) „ Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2007“ heißt es: Die neuen Kommunikationsformen der Informationstechnologie erfreuen sich in unserer Gesellschaft immer größerer Beliebtheit, gleichzeitig steigen die Gefahren etwa durch Trojanische Pferde oder Bot-Netze. Dennoch ist das Bewusstsein, wie wichtig IT-Sicherheit ist, über die unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen hinweg nach wie vor wenig ausgebildet. Immerhin beginnen sich in einigen Bereichen gegenläufige Tendenzen abzuzeichnen – ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Denn durch Gefahrenbewusstsein steigt die Motivation, sich die nötigen Kompetenzen anzueignen und empfohlene Sicherheitsmaßnahmen ernsthaft umzusetzen. Wer den Sinn hinter diesen Schritten hingegen nicht erkennt, neigt erfahrungsgemäß zu nachlässiger Umsetzung oder sucht gar nach Wegen, sie zu umgehen. (1)

(1) Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gibt quartalsweise Lageberichte heraus. Die jeweils aktuellen Berichte finden Sie unter: www.bsi.bund.de/