1. Der autoritäre Erziehungsstil: „Du machst was ich will!“

Bis in die 60er Jahre hinein waren Gehorsam, Disziplin, Fleiß und Pünktlichkeit wichtige Erziehungsziele. Eltern und Erzieher beanspruchten uneingeschränkte Autorität.

„Wenn Erwachsene reden, haben Kinder den Mund zu halten.“ Beim autoritären Erziehungsstil erhalten Kinder viele Anweisungen und Befehle, denen sie sich widerspruchslos zu fügen haben. Die Erwachsenen verhalten sich aktiv, stark lenkend und kontrollierend. Bevorzugte Erziehungsmaßnahmen sind Lob, Tadel und Strafe. Unerwünschte Verhaltensweisen werden bestraft – auch durch körperliche Züchtigung. Das Hervorbringen erwünschter Verhaltensweisen beim Kind wird höher geschätzt als das einsichtige Handeln. Selbstverständlich ist für die Vertreter des autoritären Erziehungsstils, dass die kindlichen Wünsche und Bedürfnisse den Wünschen und Bedürfnissen Erwachsener untergeordnet sind. Der autoritäre Erziehungsstil wird in seiner extremen Form auch als autokratischer in seiner gemäßigten Form auch als autoritativer Stil bezeichnet.

Merkmale des extrem autoritären Erziehungsstils sind:

  • Hohe Kontrolle bei wenig Akzeptanz
  • Zurückweisung, wenig Zugewandtheit
  • Stark dirigistisch – starke Lenkung der kindlichen Aktivitäten durch die Erzieher
  • Viele Anweisungen und Befehle – wenig Erklärungen
  • Arbeitet stark mit Lob und Tadel
  • Straft Fehlverhalten – auch mit körperlicher Gewalt
  • Zielt auf erwünschtes Verhalten des Kindes  statt auf einsichtiges Handeln

Auswirkungen des überwiegend autoritären Erziehungsstils:
Zahlreiche Studien belegen, dass überwiegend autoritär erzogene Kinder:

  • eher zu Aggressionen neigen
  • ein eher geringeres Selbstwertgefühl haben
  • eine eher geringere soziale Kompetenz erwerben

Vom autoritären Stil unterscheidet man den „autoritativen“ Stil.
Hier wird zwar ebenfalls starke Lenkung und Kontrolle ausgeübt, allerdings bei hoher Akzeptanz des Kindes. Eltern und Erzieher haben hohe Erwartungen an das Kind. Sie setzen klare Regeln, auf deren Einhaltung strikt geachtet wird. Im Unterschied zum autoritären Stil herrscht hier aber eine offene Kommunikation. Der kindliche Standpunkt wird geachtet, wenn auch das letzte Wort beim Erzieher liegt. Im Unterschied zum autoritären Stil gilt dieser autoritative Stil als durchaus förderlich für die kindliche Entwicklung: Die Kinder genießen ein relativ hohes Maß an Sicherheit, besitzen eine eher hohe soziale und intellektuelle Kompetenz und ein hohes Maß an Eigenkontrolle.

 

Kindererziehung

Nie zuvor war die Verunsicherung über Erziehung größer als heute. Gerade weil wir alles richtig machen wollen, sind wir orientierungsloser denn je.

Anbieter: