Jung, dynamisch, dominant

Dies ist keine Stellenausschreibung, sondern eine Kurzcharakteristik der Betriebswirtschaftslehre. Jung, denn es liegt keine 150 Jahre zurück, dass sich erstmalig Wirtschaftswissenschaftler ernsthaft über eine wissenschaftliche Betrachtung der Wirtschaft aus und mit dem Blickwinkel Betrieb Gedanken gemacht haben.

Dynamisch, denn seitdem ist eine Flut an Theorien, Modellen und Methoden entstanden, die immer feiner betriebswirtschaftliche Handlungen erklären können und zu neuen Handlungsformen im betrieblichen Alltag führen.

Als dominant kann manch anderer Wissenschaftszweig die Betriebswirtschaftslehre auffassen, denn in ihrer kurzen Geschichte ist sie mit ihrem Pendant, der Volkswirtschaftslehre, zu einer der führenden Universalwissenschaften geworden.
Sie bildet teils größere Schnittmengen mit anderen Wissenschaftszweigen, aus denen wieder eigenständige Lehr- und Forschungsbereiche entstehen. Zum Beispiel die Wirtschaftsinformatik, das Wirtschaftsingenieurwesen, die Wirtschaftsmathematik, Wirtschaftsrecht, Wirtschaftsethik, Wirtschaftsgeschichte, Wirtschaftspädagogik, Wirtschaftschemie, Wirtschaftspsychologie und Wirtschaftssoziologie.

Und so lässt sich die Betriebswirtschaftslehre im Kanon der Wissenschaften einordnen:

  • Sie ist eine Wirtschaftswissenschaft (neben der Volkswirtschaftslehre)
  • Sie ist eine nichtmetaphysische Wissenschaft (Philosophie und Theologie sind hingegen metaphysisch)
  • Sie ist eine Realwissenschaft (Mathematik ist im Gegensatz dazu eine Formalwissenschaft)
  • Sie ist eine Kulturwissenschaft (im Gegensatz zu Naturwissenschaften wie Chemie)
  • Sie ist eine Sozialwissenschaft, die das menschliche Handeln zum Gegenstand hat.

Info: Wirtschaft

Wirtschaft wird verstanden als die Summe aller Einrichtungen mit ihren Handlungen und Maßnahmen, die der menschlichen Bedürfnisbefriedigung gegen Geld dienen. Dabei sind Bedürfnisse Spannungszustände, die auf einen Mangel zurückzuführen sind. Diesen Mangel zu beseitigen ist Bedürfnisbefriedigung, und die lässt sich in der Regel erfüllen durch Güter und Dienstleistungen. Die Bedürfnisse des Menschen sind unbegrenzt, individuell verschieden und im Zeitlauf wandelbar. Güter zur Bedürfnisbefriedigung aber sind begrenzt. Mit Ausnahme der freien Güter wie Luft, Sonnenlicht etc. sind sie durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  1. Knappheit (begrenzte Menge)
  2. Kosten (Bereitstellung)
  3. Preis (Gegenleistung)

Womit beschäftigt sich die Betriebswirtschaftslehre?

Das Grundinteresse der Betriebswirtschaftslehre als Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaft beruht wie bei ihrer Schwesterdisziplin, der Volkswirtschaftslehre, auf der Tatsache, dass Güter grundsätzlich knapp sind und dementsprechend einen ökonomischen Umgang erfordern. Sie geht also von einem Rationalprinzip der Handelnden aus. Im Unterschied zur Volkswirtschaftslehre, die das wirtschaftliche Gesamtgefüge national oder international untersucht, nimmt die Betriebswirtschaftslehre dabei die Perspektive von einzelnen Betrieben ein. Ziele sind nicht nur die Beschreibung und Erklärung von wirtschaftlichen Phänomenen, sondern auch die Entwicklung konkreter Verfahren für betriebliches Handeln. Damit sollen Entscheidungsprozesse in Untrnehmungen unterstützt werden.

Die Betriebswirtschaftslehre gliedert sich in

  • Allgemeine Betriebswirtschaftslehre (ABWL)

    Sie untersucht übergreifende wirtschaftliche Zusammenhänge für Betriebe, ohne auf branchenspezifische Eigenheiten einzugehen. Dabei können sich die Problemstellungen auf betriebliche Entscheidungsbereiche, betriebliche Funktionen oder betriebliche Prozesse beziehen.
  • Spezielle Betriebswirtschaftslehre (SBWL)
    Sie untersucht Branchen und entwickelt anhand der dort vorgefundenen Gegebenheiten spezifische Lösungen und branchentypische Modelle.

Info: Das ökonomische Prinzip

Wirtschaften heißt nach dem ökonomischen Prinzip handeln (Vernunftprinzip, Rationalprinzip). In einer vernünftigen Weise wird der Spannungszustand zwischen unbegrenzten Bedürfnissen und begrenzten Gütern gelöst. Dieses Prinzip begegnet uns real in zwei Varianten, je nachdem, ob die einzusetzenden Mittel (Aufwand) festgesetzt sind oder die angestrebten Leistungen (Ertrag):

1. Maximalprinzip, Ertrag maximieren: Mit einem gegebenen Aufwand soll ein möglichst hoher Ertrag erzielt werden.
Beispiele:

  1. Mit einem gegeben Aufwand an Produktionsfaktoren (Menschen, Maschinen, Material etc.) soll ein größtmöglicher Gewinn erzielt werden. Das ist Gewinnmaximierung.
  2. Mit dem für Konsumzwecke einzusetzenden Haushaltsgeld (gegebene Mittel) sollen möglichst viele Güter beschafft werden. Das ist Nutzenmaximierung.

2. Minimalprinzip, Aufwand minimieren: Ein gegebener Ertrag soll mit möglichst wenig Aufwand erzielt werden.
Beispiele:

  1. Ein geplanter Gewinn soll in einem Unternehmen mit dem geringstmöglichen Mitteleinsatz erzielt werden. Das ist Kostenminimierung.
  2. Für den monatlichen Bedarf eines Haushalts an Konsumgütern ist möglichst wenig Geld auszugeben. Das ist Mittelminimierung.

Was die betriebswirtschaftliche Forschung an Neuem hervorbringt, lässt sich hervorragend in einer ganzen Reihe von Fachzeitschriften nachlesen.

Da Internationalisierung eine der großen Fragestellungen der Betriebswirtschaft heute ist, veröffentlichen auch deutsche Wissenschaftler häufiger in englischsprachigen Titeln, deren Reputation und Verbreitungsgrad meist höher ist. Die wichtigsten allgemein-betriebswirtschaftlichen Zeitschriften sind:

  • Die Betriebswirtschaft (DBW)
  • Zeitschrift für Betriebswirtschaft (ZfB)
  • Schmalenbachs Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung (zfbf)
  • Schmalenbach Business Review (sbr)
  • Review of Management Science
  • Business Research (BuR)

 

BWL

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