Berufe und Funktionen – Berufsfeld ohne Norm und Grenzen?

Betriebswirte sind ganz einfach Menschen mit höherer kaufmännischer Qualifikation. Die Berufsbezeichnung ist, im Gegensatz zu akademischen Abschlüssen in der Betriebswirtschaftslehre, gesetzlich nicht geschützt. Art und Inhalt der Ausbildung variieren dementsprechend stark. Ausgebildet wird akademisch an Universitäten und Fachhochschulen und nichtakademisch an Berufsakademien, Fachakademien, Fachschulen für Wirtschaft, Fernschulen, Verwaltungsakademien und Kammern.

Neben dem Diplom-Kaufmann und dem Staatlich geprüften Betriebswirt setzen sich immer mehr die internationalen Titel Bachelor und Master durch. In den Unternehmen und der Öffentlichkeit sind darüber hinaus IHK-Abschlüsse und die Prüfungs-Abschlüsse einiger Fernlehrinstitute sehr anerkannt. Dies trifft gerade auch auf die Hamburger Akademie zu.

Im Beruf unterscheidet sich der Betriebswirt vom Kaufmannsgehilfen durch Führungskompetenz und betriebsweite Handlungsweise. Er ist nicht in erster Linie ausführender Mitarbeiter, sondern plant und überwacht die Durchführung der kaufmännischen Arbeitsvorgänge sowie der Zielvorgaben. Als Manager ist der Betriebswirt regelmäßig auch Vorgesetzter und trägt Personal- und/oder Budgetverantwortung. Häufig sind gerade Prokuristen oder Geschäftsführer als Betriebswirt ausgebildet.

Dies spiegelt sich auch in Aus- und Weiterbildung wider, in der immer mehr Lerninhalte aus dem Bereich der „Soft Skills“ auftauchen. In den letzten Jahren ist im Zuge der Globalisierung von Arbeitsinhalten eine zunehmende Gewichtung der betriebswirtschaftlichen Ausbildung im Bezug auf Kompetenzen im Bereich von Sprachen und bei interkulturellen Fähigkeiten zu beobachten (sog. Schlüsselqualifikationen).

Info: Soft Skills

Nicht klar definierter Begriff, der eine Reihe menschlicher Eigenschaften, Fähigkeiten und Persönlichkeitszüge umfasst, die im Umgang mit Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Kunden notwendig oder hilfreich sind. Verwandte Begriffe sind Schlüsselqualifikationen und Querschnittsqualifikationen, am Rande auch soziale Kompetenz oder Sekundärtugenden. Zu den Soft Skills werden zum Beispiel Eigenschaften gezählt wie Disziplin, Umgangsformen, Höflichkeit, Freundlichkeit, Motivation, sprachliche Kompetenz, Selbstständigkeit, Teamfähigkeit. Neben erlernbaren (wie Rhetorik oder Fremdsprachen) gibt es auch kaum erlernbare (wie Humor und Schlagfertigkeit).

Reichlich Kompetenzen sind gefragt

Wenn Betriebswirte in der gesamtwirtschaftlichen Verantwortung für ein Unternehmen, einen Betrieb oder einen Betriebsteil stehen, übernehmen sie teilweise zusätzlich Fachverantwortung. Daneben gibt es aber auch viele Betriebswirte, die in einzelnen Funktionsbereichen eines Unternehmens Führungsverantwortung haben. Zum Beispiel:

  • Im Finanzmanagement sorgt der Betriebswirt für die notwendige Liquidität, beschafft Eigen- und Fremdkapital, entwickelt Modelle zur Innenfinanzierung bzw. Außenfinanzierung und verantwortet das Controlling mit Hilfe von geeigneten Managementsystemen und Kennzahlen. Bilanztechnik und Bilanzierung gehören auch zu diesem Aufgabengebiet.
  • Im Rechnungswesen kann er die Kosten- und Leistungsrechnung leiten oder die Lohn- und Finanzbuchhaltung. BWA, Benchmarking, Investitionsrechnung, Etatbestimmung und -verwaltung, Personalentwicklung und strategisches oder operatives Controlling können in die Fachverantwortung eines Betriebswirts fallen.
  • Marketing und Vertrieb sind außerordentlich beliebte Fachfunktionen der Betriebswirte. Marktsituation, Marktforschung, Markt- und Marketingplanung, Marketing-Mix, Beschaffungsmarketing und Vertriebsleitung gehören zu den Standardaufgaben. Auch in der Reklamationssteuerung sowie im Qualitätsmanagement sind Betriebswirte häufig eingesetzt.
  • Das Personalwesen oder Human Resources Management mit Personalbedarfsplanung, Personaleinsatzplanung, Instrumenten und Strategien der Personalbeschaffung und Optimierung der Personalkosten, Rationalisierung, Personalentwicklungsplanung und Personalverwaltung ist nicht die alleinige Domäne von Betriebswirten. Doch auch im Personalwesen werden bei entsprechender Spezialisierung häufig Betriebswirte eingesetzt.

Info: Managementprinzipien

Kooperativer Führungsstil verlangt organisatorische Maßnahmen, die Verantwortlichkeiten, Arbeitsteilung, Berichtspflichten etc. regeln. Man unterscheidet zwischen drei Managementprinzipien.

Management by Exception:
Ein Mitarbeiter trifft in seinem Arbeitsbereich selbstständig Entscheidungen, nur in Ausnahmefällen greift die Unternehmensführung ein.
Management by Objectives: Das Management vereinbart für eine bestimmte Zeiteinheit mit jedem Mitarbeiter Ziele, die erreicht werden müssen.
Management by Delegation: Der Mitarbeiter erhält vom Management einen bestimmten Aufgaben- oder Zuständigkeitsbereich, in dem er selbstständig handelnd die gesteckten Ziele erreichen soll.

  • In der Betriebsorganisation und in der Logistik arbeiten Betriebswirte an der Aufbau- und Ablauforganisation, steuern kontinuierliche Verbesserungsprozesse (KVP) im Unternehmen, übernehmen das Qualtitätsmanagement und koordinieren den Waren- und Dienstleistungsfluss (Logistik).
  • Betriebswirte arbeiten auch im Bereich Wirtschaftsrecht. Sie sichern, dass Handels-, Wettbewerbs-, Arbeits- und Sozialversicherungsbestimmungen eingehalten werden. Vertragsgestaltung und Geschäftsbedingungen gehören genauso zu ihren Aufgaben wie Vertretung des Unternehmens in erstinstanzlichen Gerichtsprozessen.
  • Häufiger sind Betriebswirte in der Produktion und in Einkauf und Beschaffung eingesetzt. Kapazitätsplanung in Abstimmung mit Technikern oder Dienstleistern, Organisation und Wirtschaftlichkeit der Materialwirtschaft, Prüfung von Standortvarianten oder Fremdfertigung, Zertifizierungsverfahren für das Qualitätsmanagement, Supply Chain Management sind einige der Aufgaben, die hier auf Betriebswirte zukommen.

Info:Supply Chain Management

Optimaler Einkauf und optimale Logistik erfordern permanente Überprüfung der Lieferkette vom Rohmaterial bis zum fertigen Produkt. In diesem Kettenmanagement werden Kooperationen und Einkaufsstrategien immer wichtiger. Experten gehen davon aus, dass 1% Ersparnis im Einkauf bis zu 10% höheren Gewinn bewirken, während 1% Umsatzwachstum durchschnittlich nur 0,1% Gewinn ausmachen.

In allen Berufsfeldern und Funktionen sind Betriebswirte und -wirtinnen vor allem in drei Punkten gefordert:

  • Sie müssen die Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens herstellen.
  • Sie müssen die Organisation des Betriebes unter den Gesichtspunkten der Kostenoptimierung und optimaler Marktausnutzung gewährleisten.
  • Vor allem müssen sie Mitarbeiter motivieren, dass diese im Team die Unternehmensziele möglichst perfekt erfüllen.

Außer in Handels-, Dienstleistungs- und Industrieunternehmen arbeiten Betriebswirte auch in Verbänden, Öffentlichen Verwaltungen und in Genossenschaften. Darüber hinaus haben sie schon immer ihren Platz in der Versicherungswirtschaft, dem Bankgewerbe und der Landwirtschaft gehabt. Und weil früher dem öffentlichen Bereich zugerechnete Branchen wie der Gesundheitssektor, die Abfallentsorgung, die Bildung und vieles mehr inzwischen privatisiert sind und nach betriebswirtschaftlichen Maßgaben arbeiten, haben sich die Einsatzbereiche für Betriebswirte enorm erweitert.

 

BWL

Betriebswirtschaftslehre – Berufsbilder und Karrierechancen: Infos über nebenberufliche Aus- und Weiterbildung durch ein Fernstudium für Berufspraktiker aus kaufmännischen, technischen Berufen, aus Medienbranche oder IT-Wirtschaft erhalten Sie hier.